Der Handelskrieg war in den letzten Wochen stets präsent, aber nach dem ersten Schrecken schien die größte Aufregung vorbei zu sein. Die Auswirkungen sind trotzdem deutlich sichtbar: Große Autohersteller wie BMW oder Tesla haben den Umzug ihrer Fabriken bereits begonnen. So soll etwa eine von Tesla geplante Fabrik in Shanghai ab 2020 etwa 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren. BMW baut seinen X3 bald ebenfalls in China. Jetzt aber meldet Trump sich zurück – mit einer brandneuen Liste.

Vergeltung für die Vergeltung?

„Als Resultat der Vergeltungszölle und der fehlenden Bereitschaft Chinas, seine illegalen Praktiken zu verändern, hat der Präsident das USTR angewiesen, weitere zehnprozentige Strafzölle in Höhe von zusätzlichen 200 Milliarden Dollars auf chinesische Produkte zu prüfen.“ – Robert Lighthizer, Handelsbeauftragter der Vereinigten Staaten

Am letzten Freitag waren bereits US-amerikanische Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus China in Kraft getreten. Daraufhin hatte China seinerseits mit Strafzöllen auf US-Produkte reagiert. Damit nicht genug: Weitere von Donald Trump geplante Zölle in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar stehen bereits in den Startlöchern. Diese würden vorrangig Lebensmittel, Textilien, Metalle, Elektrogeräte und mehr betreffen. Chinesische Technologie ist bisher von den US-Zöllen besonders betroffen. Washington warf Peking in der Vergangenheit wiederholt Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Made in China

China gab sich am Mittwochmorgen geschockt, machte jedoch gleichzeitig klar, dass auf die zusätzlichen Zölle weitere Vergeltungsmaßnahmen folgen würden. Ferner droht den USA eine Klage bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf.

„China gebraucht nichtwirtschaftliche Methoden, um US-amerikanische Technologie zu erlangen. Zum Beispiel gebraucht das Land staatseigene Fonds und Konzerne, um amerikanische Unternehmen aufzukaufen, und etabliert belastende Lizenzanforderungen für geistiges Eigentum.“ – Robert Lighthizer, Handelsbeauftragter der Vereinigten Staaten, in einer Pressemitteilung

Abfahrt an der Börse

Die Aussicht auf neue Strafzölle sorgte für Erdbeben an den Aktienmärkten. Der europäische DAX steht bei minus 1,31 Prozent, der japanische Nikkei bei minus 1,19 Prozent (nach Handelsschluss). Shanghai Composite hat ein Minus von 1,76 Prozent zu verzeichnen. In Amerika hielt sich der S&P 500 mit plus 0,35 Prozent bei 2.793,84. Ob und wann die US-Regierung die neuen Zölle tatsächlich einsetzt, wird sich zeigen.

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