Der Handelskrieg zwischen den USA und China, eine schwächelnde Weltwirtschaft und dazu Probleme der Autobauer im Zuge des Dieselskandals – all das wirkt sich nun negativ auf die Chemie-Industrie Deutschlands aus. Im dritten Quartal bremste das Wachstum der Branche ab.

Attraktives Ausland

Schuld daran sind etwa die nachlassende Industriekonjunktur Deutschlands und die ebenfalls langsamer werdende Weltwirtschaft. Nicht nur hemmt der von US-Präsident Trump losgetretene Streit mit China den internationalen Handel, auch hält sich die Auto-Industrie, sonst starke Kunden der deutschen Chemie-Konzerne, mit neuen Aufträgen zurück. Ähnlich sieht es bei den Kunststoffverarbeitern aus: Sie produzierten im dritten Quartal ebenfalls weniger. Zusätzlich entdeckten Teile der chemischen Industrie die Vorteile, die das Ausland zu bieten hat, und verlegten bestimmte Bereiche in die USA, nach China oder Japan. Laut einer Umfrage unter etwa 9.000 Mitgliedern der VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Ingenieurwesen hält der Trend bereits seit einigen Jahren an. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt dabei an, dass in ihrem Unternehmen ein solcher Umzug läuft.

„In der deutschen und europäischen Wirtschaft werden immer stärkere Bremsspuren sichtbar“ – Hans Van Balen, Präsident des VCI (Verband der Chemischen Industrie), in einer Pressemitteilung

Wenn alles zusammenkommt

Zwar gehen sowohl die Produktion als auch die Nachfrage der Chemie-Industrie zurück, doch die Branche hat dennoch ein solides Geschäft vorzuweisen. Das liegt an den wachsenden Kosten für Chemieprodukte, die unter anderem mit den steigenden Ölpreisen einhergehen. Gegenüber dem dritten Quartal 2017 wuchs der Umsatz laut VCI um 3,4 und die Produktion um 2,4 Prozent. Damit bleiben die Wachstumsraten ein wenig hinter denen der ersten Jahreshälfte. Die Prognosen des VCI: Angeblich soll der Umsatz noch weiterwachsen, bis er 204 Milliarden Dollar erreicht. Das würde ein Plus von 4,5 Prozent bedeuten. Trotz des gegenwärtigen Rückwärtstrends sieht der VCI zudem ein Produktionsplus von 3,5 Prozent vor. Zuletzt sollen die Erzeugerpreise um 1,5 Prozent wachsen.

Stimmt die Chemie?

An der Börse halten sich die großen Chemiekonzerne knapp im Plus. Die Bayer AG hat ein Plus von 1,71 Prozent zu verzeichnen und steht bei einem Stückpreis von 71,20 Euro pro Aktie. BASF SE steht mit 0,32 Prozent im Plus. Die Aktie ist 69,02 Euro wert. Ob sich die Chemie von den Einbrüchen erholt oder ob das Wachstum langfristig behindert wird, muss sich herausstellen.

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