Neben den wirtschaftlichen Folgen der Corona Pandemie, welche Großbritannien ohnehin schon zusetzen, könnten auch die Verhandlungen über das Handelsabkommen das Land zusätzlich in Unruhe versetzen. Doch wie sieht die Lage im Vereinigten Königreich aus? Und welche Auswirkungen hat das derzeitige Brexit-Chaos?

Corona-Absturz

Seit 1979 existiert die britische Kneipenkette JD Wetherspoon. Das abgelaufene Geschäftsjahr war laut Das Investment das erste Jahr, in dem das Unternehmen Verluste verbucht hat. Die 867 Pubs lange Kette verzeichnet ein Minus von 116 Millionen Euro. Auch die Aktie bleibt nicht unversehrt: Seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als die Hälfte gesunken. Dieses traurige Bespiel spiegelt die allgemeine Lage im Land sehr gut wieder. Denn: Im Vergleich zu Deutschland geht es Großbritannien durch die Corona-Krise bedeutend schlechter. Aus den Statistiken von Statista und dem Statistischen Bundesamt geht hervor, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal in Großbritannien doppelt so stark gesunken ist wie in Deutschland. Auch der Aktienmarkt litt: Der Aktienindex FTSE 100 sackte seit Jahresbeginn um etwa ein 25 Prozent ab.

Handelsabkommen

Doch die Corona-Pandemie ist nicht das einzige, was der britischen Wirtschaft zusetzt. Wenn es bis Ende der Übergangsphase Ende dieses Jahres zu keinem Handelsabkommen kommt, könnte der Brexit bei Unternehmen für weitere Schwierigkeiten sorgen. Eine Studie des Ifo-Instituts und des Forschungsnetzes Econpol Europe erklärt: Britische Unternehmen importieren viele Zwischenprodukte aus der EU.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, ein Handelsabkommen zu erreichen, das die Unsicherheit in den Handelsbeziehungen verringert und damit die Kosten für die Beteiligten minimiert“, erläutert Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft.

Kreditwürdigkeit

Die schwierige wirtschaftliche Lage Großbritanniens zieht bereits erste Folgen nach sich. Die US-amerikanische Rating Agentur Moody’s  setzte die Kreditwürdigkeit des Landes um eine Stufe herab – von Aa2 auf Aa3. Laut der Zeit liegt die Begründung für die schlechtere Bewertung in der nachlassenden Wirtschaftsstärke aufgrund der Corona-Krise, aber auch in der Unfähigkeit, einen Handelsvertrag mit der EU abzuschließen.

Die aktuelle Bewertungsstufe ist die viertbeste im Bewertungssystem. Großbritannien liegt somit auf demselben Niveau wie Belgien oder Tschechien. Die Agentur rechnet nach wie vor mit einer hohen Zahlungswahrscheinlichkeit.

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Redaktion: NewFinance Mediengesellschaft mbH